Ende 2018 war eine alte Ziegelei „in der Krummhörn“ Schauplatz eines Ostfriesenkrimis im ZDF. Die Bilder gingen durch die sozialen Medien, davon inspiriert zog die alte Ziegelei viele Besucher an, die sich ungeachtet der dort lauernden Gefahren – nahezu jedes Gebäude dort ist stark einsturzgefährdet! – den Krimischauplatz in Natura ansehen wollten.

Trocknungskammer

Solche Ziegeleien waren in Ostfriesland noch bis Mitte des 20. Jahrhunderts in vielen Orten ein Hauptarbeitgeber. Es gab über 50 Brennöfen, die Schornsteine waren Wahrzeichen für Orte wie Uttum, Jemgum, Harsweg oder eben diesen hier.

1789 wurde die erste Ziegelei des Ortes urkundlich erwähnt, 100 Jahre später entstand die Dampfziegelei GmbH der Gebr. Ekkenga. Nach dem Bau des Ringofens im Jahre 1907 wurden noch bis 1972 täglich bis zu 50.000 Ziegel gebrannt. 1927 wurde sie um die erste künstliche Trocknung und Vollautomatisierung erweitert, im zweiten Weltkrieg gab es dort ein Zwangsarbeiterlager.

Der Kleiboden vor Ort wurde mit Sand vermischt, in Form gepresst, getrocknet und schließlich zu Ziegeln gebrannt. Die einzelnen, zum Teil hoch automatisierten Schritte sind heute noch nachvollziehbar. Der für damalige Verhältnisse hocheffiziente Ringofen lief kontinuierlich und musste ständig beschickt und befeuert werden, die fertigen Ziegel mussten nach Abkühlung entnommen werden. Dabei wanderte das Feuer von einem Segment zum nächsten, indem die Kohle fortschreitend durch Feuerungsöffnungen in der Decke eingebracht wurde. Durch geschickte Nutzung der Luftzufuhr und einer Rauchkammer in der Mitte konnte die Wärme so verteilt werden, dass frisch eingefahrene Ziegel erst vorgewärmt wurden, ehe sie im Hauptfeuer auf über 1100 °C erhitzt und gebrannt wurden. Der Schornstein sorgte durch seine Höhe für einen entsprechenden Luftzug.

Eine Dampfmaschine sorgte für die nötige Energie, um das langsame Formen der Ziegel von Hand zu automatisieren. Die Ziegelei hatte ein eigenes kleines Schienennetz für die Loren, Förderbänder und Aufzüge beförderten die Ziegel von einer Station zur nächsten.

Mitte des 20. Jahrhunderts begann das Ende vieler Ziegeleien. Die Technik, die sich über ein Jahrhundert gehalten hatte, war nicht mehr konkurrenzfähig, die Investition für einen modernen Tunnelofen zu hoch. Seitdem verfällt auch diese Ziegelei. Der Schornstein des Ofens musste zur Hälfte abgerissen werden, nachdem ein Blitz eingeschlagen war. Der massive rundgemauerte Ringofen dagegen dürfte noch einige Jahrhunderte überleben, bis er vollständige zugewachsen ist. Notdürftig durch einen löchrigen Bauzaun gesichert, sollte auf dem Gelände vor einigen Jahren ein Hotel entstehen, der Plan scheint aber nicht mehr aktuell zu sein.

Und so wurde es als Filmkulisse genutzt und danach für einige Zeit zur stark einsturzgefährdeten Touristenattraktion. Jetzt verfällt sie wieder in den Dornröschenschlaf. Wer sich für die ostfriesische Ziegeleigeschichte interessiert, sollte ohnehin lieber das Ziegeleimuseum in Midlum besuchen. Sicher ist sicher.

Alle Aufnahmen mit einer Fuji X-T2 mit 18-55 mm oder 12 mm Samyang, Farbmodus ACROS.

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