Norder Tief und Süder Tief

Mit dem Kajak und zu Fuß rund um Ardorf

Norder Tief und Süder Tief (auch Nordertief und Südertief geschrieben) sind die beiden Quellflüsse der Harle, wobei die Harle der neuere Name für das Leerhafer und Wittmunder Tief ist. Bereits auf älteren Karten (16. Jahrhundert) ist die Harle das Seegat zwischen Spiekeroog und Wangerooge, wobei Harle eigentlich nur Wasserlauf oder Gewässer bedeutet. Im Ortsnamen Arle taucht der Wortstamm ebenfalls auf.

Auf der Karte sieht es nach einer netten Fahrt durch das Ostfriesische Flachland aus, mit einer kleinen Wanderung um das Auto zurück zu holen.

Leider war der Sommer 2018 einer der trockensten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen und bot damit für diese recht kleinen Wasserläufe nicht unbedingt ideale Voraussetzungen zum Paddeln. Der Wasserstand lag teilweise 40 cm unter dem Durchschnitt, einige Strecken hätte man problemlos treideln können. Auch waren einige Abschnitte stark verkrautet.

Startpunkt ist das Süder Tief bei der Brücke des Plattenwegs. Da bereits nach der ersten Kurve ein Wehr das Wasser staut, sollte man erst dort einsetzen, denn fast alle Wehre auf dieser Tour sind nicht fahrbar. Nur wusste ich das noch nicht.

Es folgt bald die flachste Stelle der gesamten Tour, paddeln ist nicht mehr möglich. Da der Grund aber sandig und fest ist, kann man sich entweder mit den Händen abstoßen oder – Gummistiefel vorausgesetzt – ein Stück treideln. Zum Glück wird es recht schnell tiefer, auch das nächste Wehr, bei den „Wulfsdünen“, rückt näher. Hinter dem Wehr ist das Südertief zwar schmal, aber tief genug zum Paddeln.

Es naht die Ardorfer Kreisstraße, bereits von weitem ist dahinter die Biogasanlage zu sehen. Richtig sieht man sie allerdings nur beim Umtragen  des nächsten Wehres, da die Ufer hier sehr hoch sind. Auch wenn man von der Umgebung nichts mitbekommt, auf dem Wasser fühlt man sich als Entdecker. Bäume ragen über das Tief, es gibt kleine „Stromschnellen“, man befindet sich irgendwie auf dem Oberlauf des Amazonas. Nur das man dort nicht ab und zu von Kühen angestarrt wird, wenn das Ufer etwas weniger dicht bewachsen ist. Es mündet bald die Schnapper Leide, benannt nach dem Ort, der tatsächlich Schnapp heißt.

Bis zum Zusammenfluss von Nordertief und Südertief gibt es kein weiteres Wehr. Auf dem nun Harle genannten Wasserlauf könnte man über Wittmund bis nach Harlesiel paddeln. Mich interessiert jedoch das Nordertief, und so geht es nun gegen die zum Glück schwache Strömung zurück Richtung Ardorf. Auch hier folgen einige Stauwehre, zum Glück allesamt leicht zu umtragen. Lediglich das schönste Wehr mit sechs Stufen nahe der Brücke der Kreisstraße nach Ardorf ist etwas anspruchsvoller, den Brombeeren sei Dank. Zudem schreien dort einige Leute so laut panisch herum, dass ich schon an einen schweren Verkehrsunfall denke. Sehen kann man vom Wasser aus nichts. Also das recht steile Ufer hoch und siehe da – es sind Boßler, die ihre Kugel förmlich über die Brücke schreien.

Niemand nimmt Notiz vom Kajak, so kann ich in aller Ruhe wieder einsteigen. Erst nahe der Brücke haben einige Kinder mich entdeckt und lautstark ihre Eltern informiert. Ein freundliches Moin und weiter geht es.

Zum Glück folgt nur noch ein Wehr bis zum Zwischenziel, der Brücke des Middelser Wegs. Dort wird das Kajak im Gebüsch versteckt und es geht querfeldein zurück zum Auto. Die Sonne steht tief, so gibt es noch einige schöne Fotos auf dem Rückweg.


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