Dollart

Der Dollart
Der Dollart

Der Dollart (niederländisch: Dollard, plattdeutsch: Dullert) ist eine etwa 100 km2 große Meeresbucht, die im 13. und 14. Jahrhundert durch mehrere Sturmfluten der Nordsee entstanden ist. Bei der Entstehung des Dollart sind über 30 Dörfer untergegangen (das Dorf Torum lag direkt hinter Pogum an der Emsmündung, wo heute der Geise-Leitdamm beginnt), die größte Ausdehnung hatte der Dollart im 16. Jahrhundert, als Bunde sogar ein Hafenort war. Auch gab es mehrere Inseln. Der Dollart wird von der Deutsch-Holländischen Grenze (mit unklarem Verlauf) durchschnitten, außerdem gehört ein großer Teil des Dollart, das ehemalige Naturschutzgebiet am Ostufer, jetzt zur Ruhezone I des Nationalparks Wattenmeer und darf somit nicht mehr betreten werden.

Trotz der Einschränkungen durch die Nationalparkverordnung ist der Dollart wie auch der gesamte Bereich der Emsmündung für Kajakfahrer interessant. Der gesamte Bereich nördlich des Geise-Leitdamms sowie ein Teil südlich davon dürfen befahren werden, außerdem gilt die 3-Stunden-Regelung, nach der man die Ruhezone 3 Stunden vor bis 3 Stunden nach Hochwasser befahren darf. Da man den Geise-Leitdamm ohnehin nur während dieser Zeit überfahren kann, gibt es keine Probleme, sofern man das Trockenfallen in der Ruhezone vermeidet. Bei der alten Bohrinsel Dyksterhusen gibt es zudem eine offizielle Bade- und Surfmöglichkeit, wo man auch für einen Rundkurs in das Wymeerer Sieltief umsetzen kann.

Der Sage nach hat schon mancher Schiffer, der bei ruhigem Wellengang mit seinem Boot über den Dollart fährt, schon auf dem Meeresgrunde Häuser und Türme erkennen können, und andere haben bei stillem Abendwetter ein Glockenklingen aus der Tiefe gehört… Tatsächlich tauchen manchmal noch Fundstücke aus den alten Orten wieder auf, die einen daran erinnern, dass man über versunkene Dörfer fährt.

Dazu ein Zitat aus dem Buch Nordsee ist Mordsee von Bernd Rieken (Waxmann Verlag GmbH, Münster 2005):

Auch der Untergang des 1509 im Dollart versunkenen Torum, das wir bereits von Ubbo Emmius kennen, ist bis in die Gegenwart überliefert. Ude Reintsema (1894-1971), Schmiedemeister aus Gandersum, hörte von seinem Großvater, dem Emsfischer Udo Boelen Buisker ( 1834-1923) dazu die folgende Geschichte:
Hier auf dem Dollart, da auf dem weiten Watt, hat mein Großvater sein ganzes Leben zugebracht. Hier fischte er, und hier waren auch die besten Stellen für Butt, Aal und Granat (Krabben). Da, wo der große Priel ist, fing er mal auf dem Ankerblatt einen goldenen Löffel […]. Er zeigte Oma den Löffel, und im Lehnstuhl fing er später an zu erzählen: Das ist ein Stück aus Torum, der Goldschmiedestadt. Die hatten sieben Goldschmieden. Dort standen zwei Kirchen und drei Türme. Die Leute dort waren reich. Die hatten goldene Mulden (Tragkörbe), in denen sie den Torf zum Herdfeuer brachten. Das war ein ganz verdrehtes Volk. Sie taten nichts, als sich zu amüsieren und Spektakel zu machen. Niemand wollte mehr in die Kirche kommen. Die Pastoren waren zuletzt weggelaufen. Es war ein ganz böses Volk, schlimmer als in Sodom und Gomorrha, erzählte der Alte
(Bruhns 1984, 32; auch in van der Kooi und Schuster 2003, 302; eigene Übersetzung).

Hinweis: Der Geiseleitdamm ist – vermutlich wegen der in der letzten Zeit häufig dort aus Unachtsamkeit aufgelaufenen Sportbootfahrer – zum Sperrgebiet erklärt worden, nähere Informationen liegen mir nicht vor. Die aktuellen elektronischen Karten stellen es nicht einheitlich dar, eine Sperrgebiet-Tonne habe ich noch nicht entdeckt.

Gefahren

Paddler aus Holland
Paddler aus Holland

Sicherheit geht vor. Eine entsprechende Ausrüstung (abgeschottetes Kajak, Kälteschutz, Schwimmweste, Ersatzpaddel, Handy usw.) ist Pflicht. Der Gezeitenstrom darf nicht unterschätzt werden, wer kentert und nicht rechtzeitig ins Boot zurückkommt, kann ziemliche Probleme bekommen. Der Schiffsverkehr ist stark, die davon erzeugten Wellen ebenso. Ab Emden Richtung Borkum stellt die Hochgeschwindigkeitsfähre eine besondere Gefahr dar. Bei starkem Wind gegen den Strom gibt es Kabbelwasser, im Zweifel bleibt man besser an Land oder fährt binnendeichs.

Einsetzen

Eine gute Möglichkeit, trocken einzusteigen, bieten die Fährhäfen Petkum und Ditzum. Man sollte jedoch immer ein Auge auf die Fähre werfen, um nicht im Weg zu sein oder beim überhastetem Einsteigen ins Wasser zu fallen – Zuschauer gibt es dort immer! Von Petkum aus kann man per Seilfährentechnik zunächst zum anderen Ufer wechseln (auf Sportboote und Berufsschifffahrt achten!) und dort auch gegen den Strom Richtung Pogum fahren, sofern man dicht am Ufer bleibt. Einige Prikken, Stellnetze und Buhnen müssen umfahren werden. Bei den Netzen ist besondere Vorsicht geboten, durch die Strömung können sie auf für Paddler gefährlich werden. Kurz hinter der Einmündung zum Pogumer „Hafen“ geht ein größerer Priel ab, auf dem man je nach Gezeitenstand bis zum Leitdamm fahren kann.

Eine kurze Fahrt zum Dollart (2005)

Samstagnachmittag, kein Schlechtwetter laut Vorhersage und Wetterradar, mittelwarm, sehr windig – ein erster Test mit dem Seekajak auf echtem „Salzwasser“. Neo, Schwimmweste, Ersatzpaddel – die Zuschauer kommen voll auf ihre Kosten. Wie oft bin ich hier schon in mein Wanderkajak gestiegen? Nun, das neue Seekajak ist ungleich kippeliger, ich bin froh, trocken hineinschlüpfen zu können. Spritzdecke zu, Paddelleine anlegen, los geht’s. Bis zur Mündung in die Ems ist alles ruhig, fotografieren ist möglich. Dann wird es anspruchsvoller: gegen den Wind und gegen die Strömung geht es auf die andere Seite. Dort nahe am Ufer dann Richtung Dollart – paddeln was das Zeug hält. Unangenehm ist es immer dann, wenn Buhnen und Stellnetze umfahren werden müssen.

Hinter Pogum geht ein größerer Priel ab, und mit auflaufendem Wasser geht es gemächlich weiter. Der Boden des eifrig strömenden Priels ist fest, so wie es die Physik vorschreibt. Hier hätte man aussteigen können. Der Leitdamm nähert sich. Es sind noch fast 3 Stunden bis Hochwasser, ich komme noch nicht rüber und die Wolken halten sich mal wieder nicht an die Vorhersage, es wird zunehmend dunkler, der Wind frischt auf. Ich entschließe mich zur Umkehr, um auf der Ems noch etwas in den Wellen zu üben. Auf der Ems dann bin ich froh, ohne zu kentern das andere Ufer zu erreichen – die Wellen und der Wind werfen mich fast um. Fotografieren unmöglich. Am Petkumer Hafen kommt mir die Fähre entgegen, ich habe also genügend Zeit zum Aussteigen.

Dollartfahrt, Teil 2

Bei der nächsten Fahrt ging es etwa zweieinhalb Stunden vor Hochwasser erneut Richtung Geisedamm. Diesmal konnte der noch nicht vollständig überflutete Damm an einem Durchbruch überquert werden. Wie auf Google Earth oder anderen Luftaufnahmen zu erkennen, gibt es mehrere Durchbrüche, an denen sich eine stärkere Strömung bildet. Nach dem Durchbruch sollte man versuchen, dem Priel Richtung Ufer zu folgen, sonst hat man schnell Grundberührung. Nach einigen Kilometern folgt die alte Bohrplattform bei Dyksterhusen, die vor kurzem renoviert und neu gepflastert wurde. Das Gebiet um die Plattform gehört nicht zum Nationalpark, darf also auch außerhalb der 3-Stunden-Regel betreten werden. Man kann dort bequem anlegen, notfalls auch das Auto nachholen, denn man kann mit dem Auto bis auf die Halbinsel fahren.

Seit der ersten Tour mit dem Seekajak bin ich dort regelmäßig zu Gast. Manchmal tauchen aus dem Watt Spuren vergangener Zeiten auf, einige Zeit lang gab es sogar eine kleine Schilfinsel.

Zusammengefasst: die 3-Stunden-Regel greift bei der Dollart-Tour automatisch, denn außerhalb dieser Zeitspanne kann man weder den Geisedamm überqueren noch ist genügend Wasser für eine Weiterfahrt vorhanden.

Dollart von der Knock aus

…hat einen eigenen Blog-Beitrag.

Am Leitdamm
Am Leitdamm

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