Die Lehmgruben der alten Ziegelei Middels

Ostfriesland ist seit jeher arm an natürlichen, direkt verwendbaren Baustoffen. Größere Wälder für Bauholz gab es nie, das feuchte Klima war zudem für Holzhäuser nicht ideal. Auch einen Steinbruch sucht man in Ostfriesland vergebens, nur auf der Geest gibt es hin und wieder ein paar größere Steine. Sie wurden während der Elster- und Saale-Kaltzeiten von den Gletschern aus Skandinavien hierher befördert. Für den Bau von Häusern waren es schlicht zu wenige, denn sie wurden auf der langen Reise vom Gletscher fast vollständig zu Sand und Kies gemahlen. Die seltenen sehr großen Steine wurden für Megalith-Gräber („Hünengräber“) wie beispielsweise in Tannenhausen verwendet, später aber oft aus Mangel an Baumaterial zerstört und für den Bau von Häusern, Kirchen oder Straßen verwendet.

In den eiszeitlichen Schmelzwasserrinnen lagerten sich jedoch allerlei Sedimente ab, die von Hand oder maschinell geformt und erhitzt einen hervorragenden Ersatz darstellten: den gebrannten Ziegel. Als Rohstoff dient mehr oder weniger stark tonhaltiger Lehm, je nach Lage mit unterschiedlichem Kalkanteil. Diese Vorkommen findet man in der Regel in oder nahe der Geest. In der Marsch hingegen verwendete man Klei, der durch Meeresablagerungen gebildet wurde und durch den hohen Tonanteil oft mit Sand abgemagert werden musste.

Von den einst zahlreichen Ziegeleien in Ostfriesland sind heute nur noch wenige erhalten. Sie leben jedoch in den Flurnamen weiter: Über 30 Flurstücke tragen das Wort „Lehmkuhle“ im Namen, denn die Ziegeleien wurden in der Regel dort gebaut, wo sich auch der Rohstoff im Boden befand. In der Gegend um Middels, genauer im Dreieck zwischen Middels-Westerloog, -Osterloog und Spekendorf, war die „Potterde“, wie der Lehm auch genannt wurde, nicht nur in großen Mengen vorhanden, sondern auch von guter Qualität und leicht abzubauen.

Davon profitierte nicht nur die Ziegelei in Westerloog, die bis 1966 Ziegel brannte, sondern auch Werke aus umliegenden Gemeinden. Im Landesarchiv gibt es ein größeres Dokument über „Die Potterdegräberei zu Middels“ in der Zeit von 1640 bis 1709. Die Middelser Potterde war lange ein wertvolles Handelsgut, welches oft zum Streit zwischen den Fürsten und Pächtern führte. In jüngerer Zeit hat das Klinkerwerk Neuschoo wieder eine Genehmigung zum Abbau in Osterloog und Spekendorf beim Landkreis Aurich beantragt.

Wenn die Gruben erschöpft waren und sich der Abbau nicht mehr lohnte, wurden sie manchmal wieder verfüllt, oft aber auch sich selbst überlassen. Sie füllten sich mit Wasser und die Natur holte sich das Gebiet zurück, wodurch es viel zu entdecken gibt, denn man findet seltene Tier- und Pflanzenarten neben Zeugnisse jahrhundertealter menschlicher Kultur.

Dieser Ausflug geht in das Gebiet am Wassermühlenweg bei Spekendorf und schließt mit einer Wanderung durch den angrenzenden Forst Neuenwald ab.


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