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Android-Apps fürs Seekajak

Was gibt’s Neues? Was ist sinnvoll?

Die Zahl der Apps wächst und wächst – was braucht man wirklich? Was funktioniert auch auf dem Wasser? Die folgende Liste ist von 2016, ganz subjektiv und keinesfalls vollständig, hilft aber vielleicht dem ein oder anderen bei der Auswahl. Die meisten hier erwähnten Apps sind zur offline-Nutzung und zumindest in der Basisversion kostenlos, wenn auch teilweise mit Werbeeinblendungen. Man sollte darauf achten, sie direkt aus dem Play Store zu laden, um Viren etc. aus dem Weg zu gehen. Ich nutze ein preiswertes Moto E 2nd Gen., das ist spritzwassergeschützt und hat eine sehr lange Akkulaufzeit (6 h paddeln mit GPS und gelegentlichem Kartendisplay verbrauchen etwa 13 % Akkukapazität). Außerdem ist Android 6.0 bereits installiert.

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Moto E2 in Aquapac im Einsatz

Auch wenn ein Smartphone „wasserdicht“ ist, empfiehlt sich die Nutzung einer Schutzhülle, womit für gewöhnlich die Kamerafunktionen nicht mehr nutzbar ist. Man sollte vorher schon mal die Bedienung durch die Hülle üben, Wassertropfen können da manchmal ein Eigenleben verursachen. Man sollte sich auch keine falschen Illusionen über die Lesbarkeit in praller Sonne machen – zum Ablesen muss man es irgendwie Abschatten. Auf dem Kartendeck ist es praktisch unslesbar, besser ist es auf der Spritzdecke, sofern man es dort befestigen kann. Sinnvollerweise hat man vorher die Displayhelligkeit auf den höchsten Wert gestellt.

Navigation

Das Wichtigste neben dem Telefonieren (für das man ohnehin besser ein robustes, wirklich wasserdichtes Tastenhandy nutzen sollte) zuerst: die Navigation mit offline-Karten. Zwei sehr bekannte Apps hierfür sind Oruxmaps und Locus Maps, die beide leistungsmäßig etwa auf gleicher Höhe liegen und für die es aktuelle Foren und Anleitungen auch in deutscher Sprache gibt.

Für beide gibt es zum einen fertige Karten, z.B: auf der Basis von OpenStreetMaps (OSM) auf OpenAndroMaps (von dort lassen sich die Karten sogar direkt mit der App installieren) oder eigene Karten, die mit Hilfsprogrammen wie MobAC (Mobile Atlas Creator) erstellt werden können. Anleitungen hierfür gibt es zuhauf im Netz.

Bei neueren Versionen von MobAC (ab 1.9 beta 2) fehlen aus Copyrightgründen viele Kartenanbieter, daher wird häufig noch die alte Version (z.B. V1.7) verwendet, bei der auch Satellitenaufnahmen oder Hybridaufnahmen zu finden sind. Gerade die Hybridaufnahmen (Bing/Google Hybrid noch bei V1.9) sind für das Kajakfahren teilweise besser geeignet als reine Seekarten auf der Basis von OpenSeaMaps, da auf ihnen z.B. Landmarken zur Peilung abgebildet sind. Die neueren MobAC-Versionen beinhalten fast nur noch Karten auf OSM-Basis.

Ganzkurzanleitung für MobAC 1.9.12/Oruxmaps – ausführlich Anleitungen im Netz:

  • zuerst unter „Settings“ die gewünschten Einstellungen tätigen (Verzeichnis etc.)
  • „Map Source“ laden, z.B. Bing Hybrid
  • zentrieren mit rechter(!) Maustaste, Zoomen mit Mausrad
  • mit linker Maustaste Ausschnitt („Kacheln“) auswählen
  • sinnvolle „Zoom Level“ wählen (z.B. 9/11/13/15, hängt von Karte ab, Größe beachten!)
  • mit „New“ neuen Atlas anlegen und benennen, Format Oruxmaps SQLite
  • „Add Selection“ fügt die Kacheln hinzu
  • „Create Atlas“ – los geht’s
  • am Ende Ordner öffnen und Verzeichnis in das Oruxmaps Maps Verzeichnis des Smartphones kopieren (via USB – große Datenmenge!)
  • in Oruxmaps unter Kartenauswahl das Reload-Zeichen tippen, Karte taucht jetzt auf

Da die Kartendateien bei entsprechenden Zoomstufen recht groß werden können, empfiehlt sich eine Speicherung auf einer externen SD-Karte. Beide Programme erlauben dies, ältere Smartphones können SD-Karten aber oft nur bis 32 GB formatieren. Viele akzeptieren jedoch auch 64 GB, dazu muss die Karte nur vorher auf dem PC formatiert werden. Auch hier benötigt man unter Windows ein Tool wie h2format, um die Karte auf FAT32 zu formatieren.

Mit beiden Apps kann man Tracks aufzeichnen und mit einer Menge an statistischen Informationen verfolgen und auswerten. Von der Bedienung gefällt mir Oruxmaps besser, während LocusMaps etwas stabiler läuft. Der Akkuverbrauch ist ähnlich und erfreulich gering.

Während der Fahrt ist es nützlich, den Sperrbildschirm auszuschalten und gleichzeitig die Energiesparfunktion (Bildschirm ausschalten) beizubehalten, um einerseits den Akku zu schonen und andererseits nicht mühsam durch die Schutzhülle jedesmal Pin oder Geste eingeben zu müssen. LocusMaps erlaubt dies von Haus aus, Orux kann nur den Bildschirm ständig anlassen, was auf den Akku geht. Abhilfe schaffen Apps (z.B. No Lock), bei aktuellen Android Versionen gibt es zudem die Möglichkeit, die Anwendung zu „pinnen“ (Anleitung im Netz unter diesem Stichwort).  Dabei bleibt die gewünschte App ohne Sperrbildschirm, alle anderen Apps sind gesperrt, der Bildschirm schaltet aber trotzdem wie gewohnt ab. Sehr nützlich auch falls man das Smartphone an andere Personen gibt. Zusätzlich hat Android die Möglichkeit des Sperrens nur wenn das Gerät nicht bewegt wird. Alles zu finden in den Systemeinstellungen.

Für allgemeine GPS-Daten (Position, Geschwindigkeit, Satelliten etc.) gibt es auch kleinere Apps wie z.B. GPS-Test. Gegen Geld kann man natürlich auch „echte“ Navigationssoftware wie z.B. Navionics nutzen, die aktuelle Seekarten auf das Smartphone bringen.

Eine laminierte Seekarte und einen „mechanischen“ Kompass sollte man trotzdem immer dabei haben, zumindest wenn man in unbekannte Gewässer kommt.

Gezeiten

Natürlich kennen alle die BSH-Seiten, die Wasserstandsvorhersage und den kleinen Tidenkalender. Nicht ganz so genau, aber durchaus brauchbar errechnet die Tide Prediction App die Gezeiten für unzählige Orte auf der ganzen Welt, sofern eine Station in der Nähe in der Datenbank gespeichert ist. Die Abweichungen liegen bei wenigen Minuten, zudem wird der Verlauf graphisch dargestellt und man kann beliebig tageweise vor- und zurückblättern. Das alles offline!

Wetter

Eine längerfristige Wettervorhersage ist nur mit einer online-Verbindung möglich. Dafür gibt es mehrere z.T. kostenlose Apps, unter anderem auch vom Deutschen Wetterdienst (DWD, WarnWetter). Ganz nützlich sind Apps wie Windfinder für die Windvorhersage und Wetterradar-Apps, um Niederschläge und – weitaus wichtiger – Gewitter vorherzusagen. Alle Apps findet man ohne Probleme im Play Store.

Sicherheit

Notrufnummern sollte man griffbereit haben, für die Rettung auf See gibt es von der DGzRS eine eigene App: SafeTrx. Man sollte sich vorher eingehend mit der Funktionsweise beschäftigen, um Fehlalarme auszuschließen.

Und sonst?

Natürlich gibt es noch viel mehr, aber zum Paddeln braucht man nun mal die Hände, dadurch wird die Nutzung natürlich eingeschränkt. Für den Notfall gibt es Erste-Hilfe Apps, Schweizer Taschenmesser und anderen Schnickschnack. Wirklich brauchen tut man es eher selten.

Für Mehrtagestouren sollte man unbedingt einen Akkupack mitnehmen. Es gibt Akkus mit eingebauten Solarzellen, aber davon sollte man sich nicht zu viel versprechen, wirklich Laden geht nur bei praller Sonne und dauert. Da man tagsüber paddelt, funktioniert es höchstens an Pausentagen.

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