Wieseder und Reepsholter Tief

Wieseder Tief – Reepsholter Tief – Friedeburger Tief – Ems-Jade-Kanal

Eine Rundtour im Winter

Die erste Tour im gerade begonnenen neuen Jahr beginnt am Ems-Jade-Kanal in der Nähe der Brücke bei Hoheesche (Reepsholt Richtung Schortens, am Ortsende recht abbiegen). Die Brücke ist sogar als Baudenkmal ausgewiesen, das sehr alte Haufendorf Hoheesche selber war bis 1972 eine selbständige Gemeinde, mit nur 28 Einwohnern die kleinste in ganz Niedersachsen. Der Name entstammt wohl dem Begriff Hohe Esche, wobei Esche hier die Bedeutung hochgelegenes Ackerland (auch Gaste genannt, es liegt 4 – 5 m über NN) hat.

Es ist kalt, der Ostwind bläst, aber noch wärmen die Neoprenhandschuhe und der Kanal ist auch nicht völlig zugefroren. Zunächst geht es flott voran (soweit es mit einem Seayak möglich ist), es folgen vier Brücken über den Kanal. Manchmal bremst eine dünne Eisschicht, aber größere Eisbrecheraktionen sind nicht erforderlich. Etwa einen Kilometer nach der vierten Brücke geht es nun an Land, um in das etwa 250 m entfernt parallel verlaufende Wieseder Tief umzusetzen. Tragen ist nicht nötig, das Kajak kann über das nasse oder wie heute gefrorene Grünland gezogen werden. Stiefel sind aber nützlich. Die Handschuhe sind mittlerweile nass und die Finger kalt.

Die Ufer sind recht steil, und so rutscht beim Einsetzen die wasserdichte Box mit den Snacks ins Tief. Kurze Zeit später ist sie schon fast hinter der nächsten Biegung verschwunden, das Tief hat hier ordentlich Strömung.

Nach etwa einem Kilometer folgt die Brücke in Priemelsfehn. Hier sollte man besser aussteigen, denn es folgen zwei Staustufen. Die sind zwar durchaus befahrbar, aber im Winter und alleine lasse ich es lieber bleiben. Die Finger frieren mittlerweile ordentlich, der kalte Ostwind tut sein übriges.

Trotzdem ist das Wetter herrlich, die Sonne scheint und durch die Bewegung friert das Wasser auch nicht zu. Das Tief schlängelt sich noch weitgehend in seinem tief eingeschnittenem ursprünglichen Lauf durch die Landschaft und ändert jetzt seinen Namen in Friedeburger Tief. Dabei nähert es sich teilweise bis auf wenige Meter dem Ems-Jade-Kanal.

Bei der nächsten Brücke gibt es eine Besonderheit: ich bin ganz nahe an Rußland und Amerika, wie hier zwei kleine Ortschaften tatsächlich heißen. Wer also schon immer mal von Rußland nach Amerika wandern wollte, kann dies hier in 10 Minuten erledigen, ohne auf die nächste Eiszeit zu warten. Obwohl es heute auch recht kalt ist.

Die Tour geht weiter, nähert sich noch einmal dem Ems-Jade-Kanal und bietet nach der nächsten Brücke, jedoch vor der Einmündung ins Friedeburger Tief eine schöne Rastmöglichkeit, das Landschaftsschutzgebiet und Naturdenkmal „Hoher Horst“. Es wird Zeit, Kalorien zu tanken, die Thermoskanne zu leeren und die Finger wieder aufzutauen.

Nach der Pause folgt die Einmündung in das Friedeburger Tief, links geht es weiter, bis in Höhe des Startpunktes ein befahrbarer Schloot abzweigt, auf dem es zurück zum Auto geht. Ein kleine Strecke muss das Boot getragen oder gezogen werden. Alternativ kann man auch noch ein Stück weiter auf dem Friedeburger Tief fahren und dann auf dem links abzweigenden Emder Tief bis zum Ems-Jade-Kanal gelangen. Hier muss dann allerdings nochmal umgesetzt werden.

Insgesamt eine wunderschöne Tour durch das historische Ostfriesland. Wenn auch recht kalt…

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