Tergast und Sieve

Tergast ist ein altes Dorf nahe Oldersum, den Emdern hauptsächlich bekannt durch das Wasserwerk. Es handelt sich um einen recht hohen eiszeitlichen Geesthügel (ter Gaste: auf dem Geestrücken), der schon sehr früh besiedelt wurde, da er Schutz vor dem Hochwasser der Ems bot. 1401 wurde Tergast als Gast erstmals in einer Schenkungsurkunde zugunsten des Klosters Langen erwähnt. Bereits ab 1850 wurde in diesem Gebiet Kies abgebaut, die zahlreichen Baggerseen in und um Tergast sind die Folge davon. Der Kies wurde mit Schiffen transportiert, am Fehntjer Tief kann man heute noch Reste der Kaimauer sehen. Wer mehr über die Geschichte des Dorfes erfahren möchte, kann sich in der umfangreichen Dorfchronik Tergast informieren (die Webseite exisiert nicht mehr, aber es gibt sie in Buchform).

Luftbild (c) Google Earth
Luftbild (c) Google Earth

Etwa 5 km östlich liegt an der Heuwieke das Gehöft Sieve, auch Siewe genannt und auf der Ostfriesland-Karte von Ubbo Emmius (1585) Cywe geannt. Der Sage nach handelt es sich um eine ehemalige Burg, eigentlich ein einfaches Steinhaus, wie sie damals gebaut wurden, mit Stallungen, Scheune etc. Sie wurde von dem Oldersumer Häuptling Ulrich Attena von Dornum gebaut. Er ist dort auch gestorben. Seine Kinder lebten dort mindestens bis 1565, der Hof wurde dann wohl verpachtet. Später war Dr. Warsing Jagdpächter von Sieve. Heute ist es ein Bauernhof mit einem kleinen Bootshafen (Quelle: Dorfchronik Tergast, mit freundlicher Genehmigung von Herrn Beerens).

Zwischen diesen beiden Orten befindet sich Grünland, welches teilweise nicht bewirtschaftet wird. Ein ehemaliges Spülfeld, welches mit Schilfgras zugewachsen ist und ein kleines Wäldchen ergeben viel Natur zum entdecken. Es gibt mehrere Möglichkeiten einer Tour, man kann zu Fuß oder mit dem Rad von Tergast über Ippenhörn und die Leidsebrücke unter der Autobahn durch bis Ayenwolde laufen bzw. fahren und von dort wieder über Meedlandstraße und Steinweg nach Tergast gelangen. Das Gebiet gehört teilweise zum LIFE+ Projekt Wiesenvögel zum Schutze der Vogelwelt, die besonders unter dem agrarstrukturellen Wandel der vergangenen Jahrzehnte und der Flächenentwässerung zu leiden hat. Entsprechend vorsichtig sollte man sich hier in der Natur bewegen.

In Tergast gelangt man über den Ippendorfer Weg auf den Heikelandsweg am Fehntjer Tief. Kurz vor der Leidsebrücke ist ein kleines Wäldchen, in dem Bussarde ihren Horst haben. Von dort gelangt man zum Spülfeld, welches von einem Graben umgeben ist. An der Westweite gibt es einen Übergang, im Südosten ist der Graben schmal genug zum überspringen. Das schon ältere Spülfeld ist von Entwässerungsrinnen durchzogen, der Boden ist fest. Trotzdem ist wie bei allen Spülfeldern Vorsicht geboten, es kann immer noch weiche Stellen geben. Im Spülfeld findet man Schilfrohrsänger und andere schilfliebende Vögel sowie Spuren von Füchsen und Rehen. Neben dem Spülfeld gibt es weite Sauergrasfelder mit entsprechender Flora und Fauna.