Schweden: Westschären und Vänern-See

Uraub!
Uraub!

Schärenpaddeln in Schweden gehört sicherlich zu den Traumzielen der meisten Paddler. Unzählige Inseln, Wildnis, die Möglichkeit fast überall zu zelten und freundiche Einheimische, die fast alle fließend Englisch sprechen – was will man mehr?

Vorab eine kurze Statistik:

  • Elche: 1 (Nicht irgendwo in der Wildnis, sondern sich einen Weg durchs Kornfeld fressend)
  • Kreuzottern: 0
  • Zecken: 0 (trotz etlicher Wanderungen!)
  • Mückenstiche: ca. 10, erschlagene Mücken: ca. 10
  • Mufflons: 1
  • Quallen: sehr viele, meist Ohrenquallen, aber auch Nesselquallen
  • Unfreundliche Schweden: 0
  • Wassertemperatur Ostsee: ca. 21 °C
  • Wassertemperatur Vänern: ca. 20 °C (geschützte Bucht) bis 13 °C (offenes Wasser)
  • Gezeiten: gibt es, aber kaum merklich und für die Fahrtenplanung unerheblich. Allerdings können bis zu 50 cm schon mal ein Kajak abtreiben lassen!

Als Schären bezeichnet man kleine Inseln, die während der Eiszeit vom Eis rund geschliffen wurden. In Europa findet man sie vor allem in Schweden, Norwegen und Finnland, außerhalb Europas vor allem in Kanada. Es gibt sie nicht nur im Meer (also z.B. Nord- und Ostsee), sondern auch in den größeren Binnenseen wie dem Vänern.

Ziel war zunächst der Schärengarten der Insel Tjörn. Die Stadt Stenungsund ist dabei ein guter Ausgangspunkt – es gibt ein großes Einkaufszentrum (Karten, Proviant), ein Arztzentrum für Notfälle und zwei Campinplätze auf der gegenüberliegenden Insel Almön. Dort liegt auch ein nach Auskunft eines Schweden recht sicherer kostenloser Parkplatz mit Zugang zum Wasser. Von dort ging es zunächst in den Schärengarten im Stigfjorden. Eine wunderschöne Landschaft mit fantastischen Zeltplätzen erwartet einen dort. Jede Schäre ist einen Ausflug wert, trotz der vielen Segler (aber nur wenigen Paddler) gibt es überall noch einsame Buchten.

Nach einiger Erfahrung im Schärenpaddeln (man kann sich durchaus nach wenigen Metern verirren) ging es dann weiter nach draußen, Ziel waren die Schären im Paternoster-Schutzgebiet. Als Startpunkt eignete sich ein kleiner Parkplatz am Wasser in der Nähe von Klädesholmen, einer wunderschönen Stadt auf Felsen im Meer. Der Wind frischt auf, die Wellen machen Spaß, das Wasser ist warm. Die vorsorglich mitgenommenen Neoprenanzüge bleiben im Auto. Schäre um Schäre wird erpaddelt, die schönste dient als Rastplatz. Essen kochen, Kaffee kochen und weiterziehen. Nur der Kompass scheint zu spinnen, oder hat die Missweisung plötzlich zugenommen? Schuld war die neue Packstrategie für die recht kleinen Boote – das Kochgerödel sollte man nicht direkt unter dem Kompass lagern. Zurück in Klädesholmen können wir im Hafen sogar duschen – nach soviel Salzwasser eine Wohltat.

Um das viele Salz wieder loszuwerden, war der Vänernsee das nächste Ziel. Er ist einer der größten Binnenseen Europas, etwa 10 mal so groß wie der Bodensee. Rund um die Insel Kallandsö gibt es jede Menge kleinere Inseln zu entdecken. Startpunkt ist der Hafen von Spiken. Von hier geht es zunächst zum Pflichtbesuch Schloss Läckö, bevor es aufs unerwartet kalte offene Wasser geht. Die Wellen sind ordentlich und laden zum Surfen ein. Die Schären sind nicht so hoch und weniger karg als in der Ostsee, trotzdem ist es ein abwechslungsreiches Paddeln in schöner Landschaft.

Gegenüber von Kallandsö liegt der Tafelberg Kinnekulle, der einen Besuch wert ist. Man kann zwar mit dem Auto bis oben fahren, schöner ist jedoch eine Wanderung durch die unterschiedlichen Landschaften. Oben gibt es zur Belohnung einen einzigartigen Rundblick über den See, der eher wie ein Meer aussieht. Zum Abschluss gibt es noch eine Paddeltour am Fuße des Kinnekulle, am nächsten Tag leitet Dauerregen die Rückfahrt ein.

Ein paar Links:

Video (HD)

Bildergalerie (zum Vergrößern auf das Bild klicken):